Bajouks-Tagebuch

Vor einem Jahr entschlossen sich meine Zweibeiner, dass wir uns im Schafehüten versuchen sollten.                      So kam es, dass wir an einem Mittwoch-Nachmittag nach Rikon aufbrachen und ich sah das erste Mal Schafe  "bags of wool on our four legs" (Taschen aus Wolle auf  4Beinen)


Sie waren in einem Pferch (round pen), bewacht von einem jungen, sehr ungeduldigen Border Collie….

Der Trainer erklärte ein paar Details über den Ablauf und gab uns eine kurze Demonstration mit dem Border Hündin Eyleen.

Der Border lief in beide Richtungen, achtend auf die verbalen Befehle der Trainerin als auch ihrer Körpersprache, legte sich gegenüber der Schafe und der Trainerin nieder, was sie ständig als  „Balance Point“ bezeichnet hat.

Ich beobachtete das Geschehen aus sicherer Entfernung.

Als von mir nun das gleiche erwartet wurde, war ich sehr verblüfft. Warum wertvolle Energie vergeuden, wenn es viel interessantere Dinge und Gerüche auf dem Feld zu untersuchen gab!!!

Nachdem ich ein besonders hübscher Kerl bin, genehmige ich mir die Freiheit, Befehle nicht immer ernst zu nehmen. In diesem Fall war ich aber auf dem Holzweg.

Mein Besitzer bestand darauf, mit einigen Tipps der Trainerin mit eigenartigen Geräuschen, Handzeichen und sogar Sprüngen inmitten der Schafe begleitet mit Rufen: Schau Bajouk Schafe, schau Schafe,…

Ich wusste das es Schafe sind, schliesslich bin ich ein Hütehund.
Unsere Erste Stunde endete ohne Erfolg und ich dachte, ich könnte mein Leben weiterhin als Beardie geniessen.

Mein Fehler!! Ich konnte meinen Ohren nicht trauen, eine weitere Lektion wurde für die folgende Woche festgelegt.

Wieder einmal gab es verschiedene set ups in dem „round pen“: offen, geschlossen, drinnen, draussen. Alle: Leute, Schafe und Border versuchten mich zu mehr Einsatz zu motivierten. „FORGET IT!!!!!“ Stunde Nr. 2 war zu Ende, bhuuu. Und schon wieder konnte ich meinen Ohren nicht trauen, sie geben nicht auf, weitere 8 bis 10 Stunden waren im Gespräch, bevor sie eine endgültige Entscheidung über meine Fähigkeiten treffen wollten.

„Geduld“ (Nimm dir Zeit) ist ein renommierter Ausdruck im Vokabular der Hundetrainer, und genau dass wollten Sie auch tun. So wurde der Mittwoch Nachmittag ein fixer Bestandteil in meinem Hundetagebuch. Ich lernte auch warum man Sagt: ….er hat ein Hundeleben…. Bei dieser Sache aber habe ich kein Mitspracherecht, wie mir scheint?


Ich kann nicht wirklich sagen wie oder wann es passiert ist, aber eines Nachmittages entdeckte ich, dass diese Taschen mit Beinen dran (ja, ja , ich weiss, es sind Schafe), herum zu führen wirklich viel Spass macht.

Die Rollen wurden vertauscht – und ich zeigte ihnen wie ein richtiger Beardie arbeitet. Wir gingen das Feld hinauf, hinunter, drehten in beide Richtungen und das Wichtigste: ich war hinten immer in „Balance“ mit dem Trainer und meinem total überraschten (überwältigten) Besitzer.

Ich demonstrierte, dass diese Arbeit auch sanft erledigt werden kann und dass die gelegentlichen Energieausbrüche der Schafe (Kreaturen der kleinen grauen Zellen) ruhig unter Kontrolle gebracht werden können. GREAT!

Mein plötzlicher Enthusiasmus und Talent (natürlich) motivierte meinen Besitzer sodass wir nun als Team viele verschiede Übungen perfekt ausführen: Outruns, Slalom, Malteserkreuz und dem berüchtigten Penning.

Outruns in einem angenehmen Tempo (glückliche Schafe) und ich übernehme, wenn mein Besitzer einen Fehler macht (sie ist eben auch nur ein Mensch..)

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„Shedding“ (trennen der Schafe)  hab ich auch schon ein paar mal probieren können. Die Schafe von der Herde zu trennen und wieder in die Herde zurück zu führen ist schwierig aber macht viel Spass. Dieser Aufwand ist die Mühe wert, weil ich viel Lob von meinem Besitzer und der Trainerin bekomme.

Ich bin kein Border Colli, aber es ist fantastisch mit meinem Besitzer zu arbeiten. Wir haben eine funktionierende Partnerschaft, welche der Herausforderung mit dem Schafhüte-Training gewachsen ist.

Ich kann euch sagen, nach dieser Stunde brauch ich erst mal eine Mütze voll Schlaf. Meine Augen sind schon zugefallen, ist das Auto noch nicht mal gestartet, und auf der Heimreise begleiten mich  süsse Träume.



Ja, dieser Telefonanruf hat mein Leben verändert, aber ich geniesse dieses super Hobby und habe das Bedürfnis, euch Beardies davon zur erzählen.

 


Juhui  ich geh zum Training….  Bajouk
Text: Fiona Brunner